Damals, als in Talkshows noch geraucht wurde

Bei Klaus Kinski trafen Genie und Wahnsinn aufeinander.

Verdrossenheit ist heute allgegenwärtig. Egal, wo man hinschaut sind die Leute politikverdrossen, medienverdrossen und vor allem die etablierten Instanzen in unserem Staat scheinen zunehmend an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Sei es nun die marode CDU, die mittlerweile zu einer SPD in schwarz-rot-orangen Gewand verkommen ist oder die SPD selbst, die man kaum noch mehr von den Linken unterscheiden kann. Wo früher noch Freiheit und Lebenslust das Programm der Parteien prägten, herrscht heute eine Zunft von Weltverbesserern und Genussfeinden.
Das entspricht dem Zeitgeist, der den Menschen klar macht: es kommt nicht darauf an wie schön euer Leben ist, es geht nur darum wie alt ihr werdet. Wo früher das Rauchen zur Politik dazugehörte wie das Amen in der Kirche, greifen nun schon seit Jahrzehnten Rauchverbote massiv in die Freiheit eines jeden mündigen Bürgers ein. In den 70ern und 80ern war das alles komplett anders. Es wurde gesoffen, geraucht, gehurt und trotzdem war man anständig. 
Die politische Unkorrektheit, die ich zelebriere, war früher keine politische Unkorrektheit, sondern Normalität. Politiker wie Franz Josef Strauß wären in der CDU heute unvorstellbar. Strauß konnte man zwar auch für einen korrupten Lobbyisten halten, aber eins ist sicher: ein Blatt vor dem Mund hatte er nie. 
Eine tragische Figur des gelebten Exzesses ist Klaus Kinski. Der war kein Politiker, jedoch so ziemlich all das, was man heute verachtet. Er kokste wie ein Geisteskranker, sabbelte den größten Stuss, war aber nichtsdestotrotz einer der begnadetsten Schauspieler, die Deutschland je hervorbringen sollte. Tragisch waren die Pädophilie-Vorwürfe, die ihn nach außen hin plötzlich nicht mehr wie einen Spinner wirken ließen. Dennoch unbestritten eine Ikone, die es so in dieser Form nie wieder geben wird. Da fällt mir zum Beispiel dieses eine Sat1-Interview ein, das Kinski nach sage und schreibe 20 Sekunden beendete. Auf die Frage "Warum haben sich so unverschämt gegenüber unserem Kollegen in der mdr-Talkshow benommen?" folgt ein bisschen Genuschel und zu guter Letzt ein prägnantes "Fuck You!" (Quelle). Das hätte 2020 einen exorbitanten Shitstorm verursacht. 
Würde Franz Josef Strauß noch leben wäre er der Endgegner eines jeden linken Gutmenschen.

Kommen wir aber wieder zu Franz Josef Strauß zurück. Der wusste schon 1965 (Quelle):

Irren ist menschlich, aber immer irren ist sozialdemokratisch. 
Weise Worte, die auch heute noch absolut richtig sind. Die SPD ist mittlerweile im einstelligen Bereich angekommen, niemand braucht sie heute mehr. Umso erstaunlicher ist es es daher, dass die SPD die älteste Partei Deutschlands ist. Obwohl nicht einmal das wirklich stimmt: die älteste Partei Deutschlands ist das Zentrum, das ununterbrochen seit 1870 denselben Namen trug.
Wer allerdings heute solche Zitate von sich geben würde, müsste sich damit abfinden in die rechte Ecke gedrängt zu werden. Das war aber noch lange nicht das einzige geniale Zitat von Franz Josef Strauß (Quelle):
Was wir hier in diesem Land brauchen, sind mutige Bürger, die die roten Ratten dorthin jagen, wo sie hingehören - in ihre Löcher.
Solche Zitate wäre man heute man heute allerhöchstens von der AfD gewohnt und selbst bei denen wäre man skeptisch. Worauf ich hinaus möchte: damals war einfach alles direkter und irgendwie hat Politik mehr Spaß gemacht. Debatten arteten nicht selten zu regelrechten Wortschlachten aus, bei denen sich auch gerne mal der ein oder andere im Ton vergriff. Diese Diskussionskultur kehrt langsam wieder zurück, denn es gibt endlich in unseren Parlamenten wieder verschiedene Ansichten. Der Linksruck der CDU hat den Konservativen die Perspektive genommen, die Grünen machen sich selbst lächerlich mit ihrer inszenierten Klima-Katastrophe. Und dann auch noch das "Thüringen-Debakel". Vielleicht sitzt Franz Josef Strauß gerade im Himmel und lacht. Gründe dafür gäbe es genug. 

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