Wenn Emanzen Rapper anfeinden

Die Kampagne #UnhateWomen schießt gegen so gut wie jeden Rapper.


Wir Deutschen haben ein seltsames Verhältnis zu der Kunstfreiheit. Einerseits klopfen wir uns stets selbst auf die Schulter, um uns selbst dafür zu huldigen wie tolerant und weltoffen wir doch sind. Andererseits haben wir mit der BPjM (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) eine übermächtige Zensurbehörde, die ganz bewusst viele Songtexte missversteht und unaufhörlich mit Begrifflichkeiten wie "Gewaltverherrlichung" oder "Volksverhetzung" um sich wirft. Der Verein Terre de Femmes, grob aus dem Französischen übersetzt "Welt der Frauen", inszeniert sich ebenfalls als liberal. Man wolle sich ja nur für die Gleichberechtigung einsetzen. Soso.
Eben jene achso schlimm unterdrückten Frauen haben sich jetzt einen neuen Feind ausgesucht: Deutschrap. Mit der Aktion #UnhateWomen veröffentlichen sie nun frauenfeindliche Zeilen einiger bekannter Deutschrapper wie Finch Asozial, Majoe oder Fler. Vor allem im Falle von Finch Asozial ist das ganze an Lächerlichkeit kaum zu überbieten, denn eben der betont ständig, dass er eine Kunstfigur ist und man seine Texte mit einem Augenzwinkern betrachten sollte. 
Das Zitat auf dem Bild ist ganz offenkundig humoristisch gemeint und bezieht sich auf eine einzelne Frau.


Fler war, drücken wir es mal höflich aus, etwas angepisst davon, dass er in der Kampagne kritisiert wurde. Bei ihm ging es um diese absolut harmlose Zeile:
Ich will keine Frauen, ich will Hoes. Sie müssen blasen wie Pros.
Selbst wenn ich untenrum eine Vagina hätte, fände ich diese Zeile absolut nicht schlimm. Es gibt eben Hoes, zu deutsch Schlampen, die sich gerne in alle Löcher ficken lassen. Ist doch okay. Und wenn Fler eben auf genau solche Frauen steht, ist das doch auch in Ordnung. Was genau ist daran frauenverachtend?
Eine Instagram-Nutzerin teilte die Kampagne auf der Plattform und bekam tatsächlich sogar eine Reaktion des Rappers. Sie kann stolz auf sich sein!
Ich gebe zu, Fler ist nicht unbedingt die hellste Leuchte auf der Torte und solche Aussagen wie "nervst du weiter ficke ich dein leben du kranke hure" hätte er sich durchaus sparen können. Aber im Prinzip hat er Recht. In meinen Augen ist die #UnhateWomen-Kampagne auch nichts anderes als eine bloße Wichtigtuerei aller Beteiligten. Aber jeder, der Fler kennt, weiß, dass der Rapper ein leichtes Aggressions-Problem hat. Denn kurz nach dem minimal ausgearteten Chat setzte er kurzerhand ein Kopfgeld auf die Frau aus:

Das spielte den Emanzen natürlich in die Karten. Seht her, das ist keine Kunst! Der Typ ist wirklich ein misogyner Idiot! Dem ist natürlich nicht so. Nur weil Fler ein Problem mit übereifrigen, politisch korrekten Moralaposteln hat, heißt das nicht direkt, dass er alle Frauen dieser Welt hasst. Fler wollte schon so ziemlich jeden umboxen, scheißegal ob Mann oder Frau. 
Es ist übrigens kein Problem, wenn Männer von Frauen beleidigt, bedroht oder vergewaltigt werden. Und ja, das geht. Die Dunkelziffer ist hier besonders hoch, weil sich die meisten Männer dafür schämen von einer Frau missbraucht worden zu sein. Die Medien thematisieren das auch so gut wie nie, denn wir dürfen nie vergessen: nur die Frauen werden in unserer Gesellschaft schlecht behandelt, niemand anders. Widerlich. 
Und eine Sache muss ich noch loswerden: Beleidigungen gehören nun mal zu Rap dazu. Der Rap von heutzutage ist eine Weiterentwicklung der Freestyle-Battles in der Bronx damals. Damals war er ein Ersatz für blutige Prügeleien. Doch die Hip Hop-Kultur wird ja ohnehin mit Füßen getreten, für meinen nächsten Song brauch ich glaub ich ein wenig Weichspüler. 

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