Das Minimalprinzip

Was ist Luxus in Zeiten von Corona?

Immer öfter, wenn ich durch Instagram, Twitter oder Facebook scrolle, sehe ich Menschen, die davon reden wie demütig und dankbar sie durch die Umstände der Corona-Pandemie geworden wären. Wichtig sei nun das Wohlergehen der Mitmenschen, nicht mehr das T-Shirt von Gucci, die Uhr von Armani oder das Auto von Porsche. Sofort ist mir jedoch aufgefallen, dass da ein gewaltiger Haken dran ist: die nun angeblich geläuterten Seelen vertreten selbst genau die Werte, die sie als falsch darstellen. Seien es nun selbsternannte Models, die Unmengen an Bildern von sich selbst in aufreizenden Posen hochladen oder Testosteron-geschwängerte Muskelprotze, die nichts anderes als ihren eigenen Oberkörper kennen: vermittelt werden oberflächliche Werte, die rein gar nichts mit so etwas wie Demut oder womöglich noch Bescheidenheit zu tun haben. Die Intention hinter solchen Posts ist leicht zu durchschauen- man möchte sich selbst in ein gutes Licht rücken. Keine Frau dieser Welt möchte gerne die eingebildete Tussi sein, die mehr Schminke im Gesicht hat als ein Bauer Kühe im Stall. Das ist menschlich. 
Die Message hinter diesen Beiträgen ist zwar verlogen und untrennbar mit einer Doppelmoral verbunden, doch richtig ist sie allemal. Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass es uns mittlerweile absolut normal vorkommt, sich an anderen Körpern und Besitztümern zu ergötzen. Das stachelt unseren Neid an, wir rennen einer Norm hinterher, die in dieser Form nicht existiert. Diesen perfekten Menschen, den uns die sozialen Medien präsentieren, gibt es nicht. Wir haben alle unsere Macken, wir machen Fehler, verletzen einander, aber das ist auch okay, denn es gehört dazu. Nur solange wir Fehler machen, können wir aus ihnen lernen und es so beim nächsten Mal besser machen. 
Macht die Isolation uns zu freieren Menschen?

Der große Vorteil der aktuellen Lage ist die Zeit, die einem nun zum Nachdenken bleibt. Für psychisch kranke kann das durchaus auch ein Nachteil, ich betrachte es als Vorteil. Der Gedanke, dass uns Mutter Natur zurück zu dem führt, was wirklich wichtig ist, ist nett. Fakt ist aber ganz klar, dass wohl nur die wenigsten von uns gerne am Hungertuch nagen würden. Auch die bodenständigsten unter uns wünschen sich ein gewisses Maß an Wohlstand und wenn es nur der Zugang zu frischem Leitungswasser ist. In vielen Teilen der Welt sind das Dinge, von denen die Menschen nur träumen können. Oft wird gesagt sie seien glücklicher als wir, die im Luxus praktisch ersticken. Das halte ich allerdings für Bullshit. Wenn Geld eine virtuelle Größe wird, macht man sich eben neue, andere Probleme. So etwas wie eine vollkommene Zufriedenheit gibt es nicht und wird es nie geben. Außer vielleicht bei Instagram-Models, die sind bekanntlich unfehlbar.