Klassiker, die keine sind

Ufo361 oder auch die schlechte Fusion aus Yung Hurn und Money Boy. 

Neben dem ganzen Corona-Irrsinn, der mir so langsam gehörig auf die Nerven geht, fällt es den meisten Tageszeitungen und Nachrichtenportalen zunehmend schwerer junge Leser für sich zu gewinnen. Um nicht vollends im Sumpf der Anachronismen unterzugehen, versucht man sich nun eben beim Rap. Wo Persönlichkeiten wie Bushido früher noch als "Rüpel-Rapper" verunglimpft wurden, findet man Rapper heutzutage in Feuilletons. Bei Yung Hurn war das noch irgendwie gerechtfertigt, dessen Auftreten und Kunstfigur gab es so in dieser Form noch nie. Seine Musik ist eben dadaistisch und hat doch eine versteckte Message, wenn man zwischen den Zeilen liest. Wo mir allerdings der Kragen platzt, ist wenn eine Zeitschrift wie der "stern" beginnt Rap-Alben zu rezensieren. Ufo361 ist in den Augen des Artikel-Schreibers René Pascal-Weiß "das Beste, was Deutschrap momentan zu bieten hat" und über dessen neues Machwerk schreibt er (Quelle):
Über das Album wird man in ein paar Jahr vermutlich sagen: Es ist ein Klassiker. Und falls nicht, hatte Ufo361 damit zumindest Erfolg.
In der Review wird unter anderem auch behauptet, dass "Ufo361 [...] Trap auf Deutsch massentauglich gemacht" hat. Selten habe ich mich über Schwachsinn so aufgeregt. Im Jahr 2010 gab es schon Trap auf Deutsch, den jeder kannte- "Dreh den Swag auf" von Money Boy. Zwar hat man sich damals noch spöttisch über den ulkigen Wiener lustig gemacht, aber das war Trap. Daraufhin folgten Kollektive wie den Hanuschplatzflow, die BergMoneyGang oder die Blauen Burrrka Buben. Zu diesem Zeitpunkt war Ufo361 noch hauptsächlich als mittelmäßiger Oldschool-Rapper mit nervigem Lispeln bekannt. Richtig los ging es für ihn erst mit dem Song "Ich bin ein Berliner", welchen ich zwar immer ganz gerne gehört habe, aber revolutionär fand ich damals weder seine Parts noch den Beat. Das war aus musikalischer Sicht Standard. Das war aus textlicher Sicht Standard. Das war Standard.
Ufos neues Album ist ein Riesen-Erfolg. Doch zu Recht?

Und was ist Ufo361 heute? Im Grunde genommen immer noch das gleiche. Seine Texte sind weder witzig, noch durchdacht, rappen kann der Berliner auch nicht wirklich gut. Die durchaus zu Trap passende "Ich geb´ keinen Fick"-Haltung wirkt bei ihm aufgesetzt, es ist fake. Denn Ufuk Bayraktar, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, gibt sehr wohl einen Fick. Wahrscheinlich sogar ziemlich viele, denn als er 2018 seine aktive Karriere beendete und sich mit einem "R.I.P. Ufo361"-Konzert als tot inszenierte, kehrte er 2019 doch zurück. Tot war er also nicht. Und wirklich darüber nachgedacht, seine Karriere zu beenden, hatte er wahrscheinlich auch nie. Das war ein PR-Gag, im Marketing-Bereich ein alter Hut, der aber immer noch erstaunlich gut funktioniert. Seine Fans nahmen es ihm nicht übel und nun ist Ufo361 endgültig dort angekommen, wo sich Gülle besser verkaufen lässt als Gold: dem Mainstream. Seine Karriere ist ein einziges Kalkül. Mit Liebe zur Musik hat das nichts gemein. Sein neues Album "Rich Rich" ist kein Klassiker. Es ist eine Frechheit. In einem kürzlich erschienen Interview auf HipHop.de offenbarte er sogar, dass alle seine Parts auf dem Album Freestyles wären. Das hätte er gar nicht sagen müssen, mir wäre es auch so aufgefallen.