Niemand hat Respekt vor Nutten


Für Sex bezahlen ist zwar traurig, aber für viele geht es nicht anders.


Am 31. Dezember dachte ich über das Jahr 2020 nach. Ich sah mich selbst auf Konzerten, Festivals und malte mir zwölf wunderschöne, unvergessliche Monate aus. Immerhin ist es erst das zweite Mal, dass ich den Beginn einer neuen Dekade miterleben darf. Wie 2020 bisher geworden ist, muss ich wohl keinem erzählen: keine Partys, kein Spaß und jede Menge kranke Menschen. Wunderbar. Dafür kann niemand was, das ist mir bewusst. Doch wo am Anfang noch laut herum krakeelt wurde, man dürfe die Pandemie auf keinen Fall für Parteipolitik missbrauchen, ist das mittlerweile gänzlich vergessen. Denn da (logischerweise) im Zuge des Lockdowns auch Bordelle schließen mussten, kam nun dem ein oder anderen Bundestagsabgeordneten die Idee, man könnte diese Etablissements einfach für immer geschlossen lassen. Die CDU-Abgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker (nicht immer sind Doppelnamen eine gute Idee) sagt dazu folgendes (Quelle): 

Es geht um Täuschung, emotionale Abhängigkeit, aber auch handfeste Drohungen und Gewalt. Für den größten Teil der Prostituierten in Deutschland sind permanente ungewollte sexuelle Übergriffe trauriger Alltag. Viele verkehren mit zehn oder noch mehr Freiern am Tag. Das ist für diese Frauen ekelhaft, demütigend, seelisch und körperlich kaum zu ertragen.
Was sie sagt, kann ich nicht widerlegen, denn recht hat sie. Die Prostitution ist kein angesehener Beruf und viele Frauen in der Branche werden von ihren Zuhältern behandelt wie der letzte Dreck. Doch Zuhälterei ist auch jetzt in Deutschland schon illegal. Mit einem Sexverkaufsverbot würde man den Prostituierten nur noch mehr schaden, denn dann gäbe es keine gesetzlichen Vorgaben mehr, die sowohl Freier als auch Nutten vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen. Niemand würde sich mehr um das Wohlergehen der Frauen kümmern. Und wer denkt, dass man die Prostitution einfach beseitigen könnte, der soll sich mal den Erfolg der Drogenpolitik der letzten Jahre anschauen. Wie jeder weiß gibt es sowas wie Kiffer überhaupt nicht. 
Außerdem wäre ein Sexverkaufsverbot auch als feministischer Sicht reiner Humbug. Eine Frau sollte mit ihrem Körper machen dürfen, was sie will. Ob sie als fromme Nonne in einem Kloster fünf mal am Tag beten will oder sich sieben mal am Tag von ranzigen Typen für ein paar Euros durchknattern lassen will, ist ihre Entscheidung. Während Corona wütet, sollte die Sexarbeit aufgrund des erhöhten Ansteckungsrisikos natürlich dennoch verboten sein- aber nach Corona eben nicht. 

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