Das inakzeptable Verhalten der "Covidioten", die eigentlich gar keine sind


Demonstranten gegen die Corona-Regeln nennt man neuerdings "Covidioten". 

Am Wochenende gab es die wohl größte Anti Corona-Demonstration aller Zeiten: der Veranstalter behauptet es seien 1,3 Millionen Menschen anwesend gewesen, die ARD spricht von gerade mal 25.000. Da ich nicht vor Ort war und mich von derlei Demonstrationen sowieso fernhalte, kann ich auch nicht zweifelsfrei sagen welche von beiden Zahlen eher der Wahrheit entspricht. Fakt ist jedoch: weite Teile der Bundesregierung waren stinksauer über die Proteste. So wurden die Teilnehmer beispielsweise von der SPD-Chefin Saskia Esken als "Covidioten" verunglimpft. Und das ist, und ich meine das in vollem Ernst, absolut hanebüchener Schwachsinn. 
Denn natürlich haben sich auf der Demo viele Verschwörungstheoretiker, Rechtsextreme und anderweitig geistig verwirrte Menschen zusammengefunden. Doch nicht jeder, der die derzeit geltenden Hygiene-Regeln als übertrieben und hypochondrisch abtut, ist automatisch geistig zurückgeblieben oder böse. Das ist eine Verallgemeinerung, die so nicht getroffen werden kann. Wir sollten sowieso aufhören Menschen über einen Kamm zu scheren und damit will ich nicht die mittlerweile völlig überkochende Rassismus-Debatte losbrechen. Bei den "Black Lives Matter"-Demos scheint es unseren Politikern jedenfalls auch vollkommen egal gewesen zu sein, dass diese Demos trotz ihres guten Ziels, auch einen Superspreader in Sachen Corona darstellen können. Denn dem Virus ist es herzlich egal zu welcher Demo man geht.

Corona ist nicht unser größtes Problem!

Bei Nichteinhaltung der Corona-Verordnungen drohen teils drakonische Strafen. Wer es zulässt, dass in seinem Laden Menschen ohne Mundschutz herumlaufen, kann in Bayern mit Strafen bis zu 30.000€ rechnen. Das steht in keiner Relation zu dem Risiko, dem die Menschen, die in eben jenem Laden herumlaufen, ausgesetzt sind. Wir müssen uns vor Corona schützen, wir dürfen aber nicht den Fehler machen, uns dem Virus hinzugeben. Warum leben wir denn, wenn wir sowieso nichts mehr machen dürfen? 
Ich verstehe jeden, der Angst vor dem Virus hat und jetzt völlig in Panik ist, weil er nicht will, dass er selbst oder jemand aus seiner Familie mit Covid-19 angesteckt wird. Das ist nicht der Punkt, den ich kritisiere. Ich kritisiere die Pflicht, sich für jeden unbeabsichtigten Faux-pas höchst förmlich entschuldigen zu müssen. Manche Leute impfen einem ein schlechtes Gewissen ein, das sich gewaschen hat: man sei ein Mörder und Schuld am Tod für zahlreiche Menschen, wenn man seinen Mundschutz vergessen würde. Das geht zu weit und schießt eindeutig über das Ziel hinaus. Wir müssen lernen trotz diesem ganzen Corona-Firlefanz weiter zu leben. Rein theoretisch könnten wir alle jeden Moment sterben. Es würde schon ein Auto reichen, dass uns plötzlich überfährt. Nicht nur Corona kann uns töten und das dürfen wir nicht außer Acht lassen.

Wie wir alle zu Schafen gemacht werden 

Die Bezeichnung Covidiot lasse ich mir sowieso nicht gefallen. Warum sind Kritiker der Bundesregierung ausnahmslos immer Idioten? Warum ist ein alter Mann, der seinen Mund-Nasen-Schutz versehentlich falsch trägt, ein Idiot? Ist es nicht mehr in unserer Gesellschaft erwünscht individuell zu sein? Muss sich ab sofort absolut jeder einer hirnlosen Hammelherde zugehörig fühlen? Warum wollen wir unsere Freiheit zugunsten eines grausam langweiligen Lebens aufopfern? Auf all diese Fragen habe ich keine Antwort. Aber ich weiß eins: ich bin kein Covidiot.