Der Playboy in Zeiten des Pornos

Charisma Carpenter bewies anno 2004 im Playboy ihr Sexappeal.

Der Playboy spielt in meinem Leben eine größere Rolle als er sie eigentlich spielen sollte. Schon früher als ich mit etwa elf Jahren zum Friseur meines Vertrauens ging, wagte ich des öfteren einen Blick auf die Zeitschriften, die dort im Wartebereich lagen. Dort war auch immer die neueste Ausgabe des Playboys, die ich natürlich nur wegen des redaktionellen Teils und nicht etwa wegen der Nacktfotos durchblätterte. Meine jungen Augen waren beim Anblick einer kahl rasierten Vagina durchaus angetan, das kann ich nicht leugnen. Das beste war aber immer das Bildchen zum Ausklappen. Man stelle sich vor: eine gänzlich entblößte Frau. Und auch wenn ich mittlerweile durch den Konsum zahlreicher Pornos stark abgestumpft bin, genieße ich diese Bildchen immer noch. Der Playboy war in meinen Augen nie eines dieser Schmuddelheftchen, das alte Männer am Bahnhofskiosk verwegen kaufen, um sich mithilfe dessen auf der schäbigen Zug-Toilette einen von der Palme zu wedeln. Für mich hatte der Playboy einfach Stil. Das war einfach Erotik. Keine Pornografie. Nur Erotik. 
Doch das auch das Internet nicht spurlos am bekanntesten Männermagazin Deutschlands vorbeiziehen würde, war selbst mir klar. Die Auflage ging in den letzten Jahren steil nach unten und das liegt nicht zuletzt daran, dass heutzutage eine nackte Möse keinen mehr vom Hocker haut. Pornhub und Konsorten zeigen deutlich mehr Action: Gangbangs, Bukkake, BDSM, oder am besten alles in Kombination. Das "HUSTLER"-Magazin hatte den Markt schon damals mit Hardcore-Pornografie gefüttert. Sex in allen Stellungen, von vorne, von hinten, solange bis es nicht mehr geht. Durch diese gnadenlose Reizüberflutung hatte ich letztens wieder Interesse an ästhetischer Aktfotografie. Nicht etwa, weil sie mich geiler macht als ein Porno. Nackte Frauenkörper sind einfach schön. 
Für heutige Jugendliche mag diese Faszination, die der Playboy auf mich schon immer ausgeübt hat, völlig absurd sein. Er wirkt heutzutage fast schon bieder, langweilig oder vielleicht sogar angepasst. Und das ist überhaupt nicht schlimm. Es ist ein wenig wie wenn man ein Videospiel zum ersten Mal durchspielt: beim nächsten Mal macht es nicht halb so viel Spaß.